Auf Entdeckungsreise im Museum


Museumskoffer


Ein Koffer voll mit museumspädagogischen Materialien: Darüber verfügen jetzt die Museen Schloss Aschach. Studierende der Universität Würzburg haben den Koffer im Rahmen eines Seminars im Sommersemester gepackt.

Ein Hörspiel, ein Hut im Stil der Renaissance, eine Zeitleiste, die die Geschichte des Hauses kindgemäß verdeutlicht: Solche – und viele andere Dinge mehr – finden sich in dem Museumskoffer, der seit Kurzem dem Schlossmuseum Aschach und den dortigen Museumspädagogen zur Verfügung steht. Diese können damit Schulklassen auf eine Entdeckungsreise durch das Museum schicken. Gleichzeitig können Lehrkräfte ihre Schüler mit den Materialien auf den Museumsbesuch vorbereiten.


Das Seminar

Den Koffer „gepackt“ haben Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen der Universität Würzburg in diesem Sommersemester. Daran beteiligt waren zum einen Lehramtsstudierende im Rahmen eines Didaktik-Seminars für den Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen; zum anderen haben Studierende aus den Studiengängen „Museologie und Materielle Kultur“ und „Volkskunde/ Europäische Ethnologie“ an der Entwicklung mitgewirkt.

Unter der Leitung der Museumspädagogin Simone Doll-Gerstendörfer und der Förderschul-Lehrerin Karoline Hock haben die Seminarteilnehmer sowohl volkskundliches, kunsthistorisches und museumspädagogisches als auch (sonder-)pädagogisches Fachwissen zusammengetragen und diskutiert.

„Am Anfang des Projekts stand eine ‚Living History-Führung‘ durch das Schlossmuseum“, erklärt Simone Doll-Gerstendörfer. Als Schlossbesitzerin Luise Gräfin von Luxburg verkleidet, stellte die Museumspädagogin Beatrice Rose-Ebel den Studierenden die Ausstellung vor. Daran anschließend hatten die Seminarteilnehmer die Aufgabe, ein Vermittlungskonzept für Schulklassen im Grundschulalter zu entwickeln. Das Motto dafür lautete: „Die Entdeckung der Menschenbilder im Schloss Aschach“. Mit den fertigen Materialien konnte sich zum Ende des Semesters eine erste Schulklasse auf Entdeckungsreise durch das Museum begeben.


Auf Entdeckungsreise im Museum

„Die Studierenden haben verschiedene Porträts der Ausstellung ausgewählt und diese auf methodisch vielfältige Art und Weise präsentiert“, schildert Karoline Hock die Vorgehensweise. So wurde die Klasse beispielsweise mit einem „gräflichen“ Schreiben persönlich zum Besuch von Schloss Aschach eingeladen; mit einer vorbereitenden Hausaufgabe mussten sich die Schüler darauf einstimmen.

Vor dem Schloss konnten die jungen Besucher in einer Schatzkiste Gegenstände ertasten, die sie zur ersten Station im Museum führte. Danach hieß es: „Immer der Nase nach“. Tatsächlich mussten die Kinder jeweils ein Nasenbild einem Werk im Schloss zuordnen – und durften dabei das Schreiten wie bei Hofe nicht vergessen.

Im Salon der Hausherrin und vor dem Porträt des Fürstbischofs Friedrich Karl von Erthal folgten weitere Aufgaben. In einem benachbarten Raum fand sich (auch) die Auflösung der Hausaufgabe. Die Kinder hatten die Kopie eines Ausschnitts aus Lucas Cranachs Bild „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ vervollständigen müssen. Dass vor der vornehmen Dame der abgeschlagene Kopf ihres Widersachers liegen würde, hatte keiner geahnt.


Zu neuem Leben erweckt

Infoblätter zur inhaltlichen Vertiefung, eine Karteikartensammlung für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Museumsbesuchs: All das findet sich in dem Museumskoffer. „Das Material ermöglicht die Zusammenstellung einer individuellen Entdeckungsreise durch das Museum, die Alter, Gruppengröße, spezielle Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt“, sagt Simone Doll-Gerstendörfer. Damit werde das Schlossmuseum als Denkmal für Wohnkultur zu neuem Leben erweckt; Facetten des Alltags der Schlossbesitzer als Bewohner und Kunstsammler sowie ihrer Gäste würden begreifbar.

Ein „spannendes Experiment“ war die Kooperation zwischen Studierenden der Museologie und der Volkskunde und den Studierenden für das Lehramt Sonderschule nach Ansicht der beiden Dozentinnen. Die Zusammenarbeit zwischen Universität Würzburg und den Schlossmuseen Aschach sei hervorragend gelungen. Ihren Dank richten sie auch an Annette Späth, Museumsleiterin der Museen Schloss Aschach, für ihre "wertvolle Unterstützung". Weitere gemeinsame Projekte seien bereits in Planung.
 

Auf Entdeckungsreise im Museum


Die Museen Schloss Aschach

Schloss Aschach liegt acht Kilometer von Bad Kissingen entfernt im Saaletal bei Bad Bocklet. Seine Geschichte reicht zurück in das 12. Jahrhundert, als die Grafen von Henneberg die mittelalterliche Burg errichten ließen. Die Würzburger Fürstbischöfe bauten die im 16. Jahrhundert mehrfach zerstörte Anlage wieder auf. Aschach wurde Jagdschloss und Verwaltungssitz der Fürstbischöfe.

Seit 1874 diente es als Sommerschloss der Grafen von Luxburg. 1955 kam das Schloss mit seiner kompletten Ausstattung und den wertvollen Sammlungen als Schenkung in den Besitz des Bezirks Unterfranken.

Heute sind in dem Gebäude unter anderem das Graf-Luxburg-Museum, das Volkskundemuseum und das Schulmuseum untergebracht.


Fotos und Text: Pressestelle der Universität Würzburg
 

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Ansprechpartner:
Museen Schloss Aschach
Schlossstraße 24
97708 Bad Bocklet
Aschach
Tel: 09708 704188-0
Fax: 09708 704188-50

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