Museum für alle!

Im Rahmen eines Projektseminars haben Studierende der Universität Würzburg im Sommersemester 2015 ein museumspädagogisches Angebebot der Museen Schloss Aschach für junge Menschen mit kognitiven Einschränkungen optimiert.

Eines hatten die Kinder „Ludwig“ und „Karl“ gemeinsam – beide wohnten vor 100 Jahren in Aschach bei Bad Bocklet. Doch ihre Lebensweise unterschied sich grundlegend: war Ludwig ein einfacher Bauernjunge, lebte Karl in einem Schloss. In den heutigen Museen Schloss Aschach ist das ungleiche Paar noch heute lebendig: „Ludwig und Karl – Zwei Kinder erzählen aus ihrem Leben“ heißt ein museumspädagogisches Vermittlungsangebot, das Studierende der Uni Würzburg nun für junge Menschen mit kognitiven Einschränkungen weiter entwickelt haben.

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Schülerinnen und Schüler der Franz-von-Prümmer-Schule "bei der Arbeit"

Brotbacken und das Mähen mit der Handsense – zwei typische Aufgaben, die früher auf den Dörfern zu verrichten waren. Kinder aus Bauernfamilien mussten  da  schon in jungen Jahren mit anpacken. Die Arbeit war hart, aber auch erfüllend – davon konnten sich Schülerinnen und Schüler der Bad Kissinger Franz-von-Prümmer-Schule nun bei einem Besuch der Museen Schloss Aschach überzeugen. Auf einer Wiese vor dem Schloss drückten ihnen Studierende der Uni Würzburg eine eigens dafür angefertigte Sense in die Hand. Später  durften die 10 bis 15-Jährigen vor einem alten Backhaus selbst einen Teig  kneten und das fertige Brot  sogar probieren. „Schmeckt  besser als daheim“, lautete das Kompliment, über das sich vor 100 Jahren sicher auch der Bauernsohn „Ludwig“ gefreut hätte – eine fiktive, aber doch authentisch wirkende Figur, die so oder ähnlich sicher einmal in Aschach gelebt hat. 

Von Ludwigs Zeitgenossen „Karl“ dagegen weiß man sicher, dass es ihn gegeben hat. Er war einer der Söhne des Grafen Friedrich von Luxburg und seiner Gattin Louise. Als junger Adeliger lebte Karl nicht vor, am oder hinter dem Schloss Aschach, sondern mitten in dem alten, ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammenden, Gemäuer. Selbst Brot zu backen, wäre ihm wohl nie in den Sinn gekommen. Im Speisesaal des Großen Schlosses wurden ihm die Gerichte vorgesetzt. Welcher der beiden Jungen aß damals was? – Das durften die Schülerinnen und Schüler der Klasse H1 der Franz-von-Prümmer-Schule, einem Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, vor der prächtig eingedeckten Tafel erraten.

Auf diese und viele weitere Ideen, den jungen Menschen die Museen Schloss Aschach näher zu bringen, kamen neun Studierende der Universität Würzburg. Im Sommersemester 2015 nahmen sie am Projektseminar „Museum für alle! Methoden der Kulturvermittlung für Menschen mit kognitiven Einschränkungen“ teil. Dabei handelte es sich um eine Lehrveranstaltung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung sowie der Professur für Museologie und materielle Kultur der Universität Würzburg, die von Museumspädagogin Simone Doll-Gerstendörfer geleitet wurde. Es war bereits das dritte Mal, dass sie zusammen mit Studierenden ein museumspädagogisches Programm der Museen Schloss Aschach entwickelt oder fortgeschrieben hat.  

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Schlösschen-Spiel: Entspannter Abschluss eines erlebnisreichen Vormittags

Museumsleitern Annette Späth M.A. zeigt sich angetan vom Engagement aller Beteiligten. „Es macht die Museen Schloss Aschach mit allen Sinnen erlebbar und damit jedem zugänglich“, so Späth über das Projekt. Dem großen Ziel Inklusion und „Barrierefreiheit“ sind die Museen Schloss Aschach damit einen Schritt näher gekommen. Und für alle die sahen, mit welcher Begeisterung die Schülerinnen und Schüler im Schlosshof mit Murmeln „Schlösschen“ spielten, war es sogar schon ein ziemlich großer Schritt.

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Ansprechpartner:
Museen Schloss Aschach
Schlossstraße 24
97708 Bad Bocklet
Aschach
Tel: 09708 704188-0
Fax: 09708 704188-50

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